Pädagogisches Konzept
Im Dienst des Friedensgedankens
"Die Erziehungs- und Bildungsarbeit soll dem Aufbau einer umfassenden Friedensordnung in der Welt dienen; sie soll insbesondere den Jugendlichen und jungen Erwachsenen helfen, die eigene und mitmenschliche Welt zu gestalten sowie verantwortlich für Gesellschaft und Kirche, für Staat und Völkergemeinschaft wirksam zu werden.
Die Jugendakademie leistet ihre
Bildungsarbeit aus einer im katholischen Glauben gegründeten christlichen
Weltoffenheit. Sie steht damit allen offen, die sich in Verantwortung
um den Menschen und um eine Friedensordnung bemühen."
(aus der
Satzung der Jugendakademie Walberberg e.V.)
Mitte der 60er Jahre wurde die Jugendakademie von Mitgliedern der Dominikanischen Frauengemeinschaft gegründet. Sie hatten das Elend der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, den Krieg, den Rassenhass und den millionenfachen Morden an Juden, Roma, Homosexuellen und RegimegegnerInnen hautnah miterlebt. So wurde die Bemühung um die Versöhnung ehemals verfeindeter Nationen und die Suche nach Möglichkeiten eines friedlichen Zusammenlebens der Menschen und der Völker zu einem wesentlichen Ziel der Bildungsarbeit.
Die Arbeit der Jugendakademie erhielt wichtige Impulse durch das Zweite Vatikanische Konzil, die emanzipatorischen Aufbrüche am Ende der sechziger Jahre und die sozialen Bewegungen der siebziger und achtziger Jahre. Im Mittelpunkt stand und steht das Streben nach einer gerechten Welt und das befreiungstheologisch begründete Anliegen einer "Option für die Armen". Die Pädagogik Paulo Freires, der die potentiell autonome Handlungsfähigkeit des Menschen voraussetzt und ihn als schöpferisches und solidarisches Subjekt erkennt, bot eine Vielfalt von pädagogischen Umsetzungsmöglichkeiten für diese Option.
Die zentralen Satzungsziele der Jugendakademie sind heute so aktuell und so notwendig wie vor 30 Jahren. Im Mittelpunkt steht der christliche Glaube, daß sich Gott als Gott des Lebens gezeigt hat. Die Jugendakademie sieht ihre Aufgabe darin, lebenszerstörenden Kräften entgegenzutreten und heilende Kräfte zu fördern - bei jedem/jeder einzelnen und in Solidarität mit anderen. Dabei gilt es, die Pluralität und die Gleichwertigkeit der Menschen zu berücksichtigen und sie als größte Herausforderung des Politischen zu begreifen.
Im Laufe von drei Jahrzehnten wurden die MitarbeiterInnen, die FreundInnen
und die FörderInnen der Jugendakademie von den hier genannten Kernaussagen
immer wieder zur kritischen Reflexion ihrer Arbeit inspiriert und zu neuen
Deutungen und Schritten motiviert.
Eintreten für Menschlichkeit -Bildungsziele der Jugendakademie
Die pädagogische Arbeit der Jugendakademie ist geprägt durch ihr christliches Menschenbild und die Parteilichkeit für diejenigen, denen der Zugang zu Ressourcen wie Bildung, Gesundheit, (Erwerbs)Arbeit, Geld, Anerkennung und gesellschaftlicher Einflußnahme verwehrt bleibt, bzw. erschwert ist. Im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit steht die Förderung der Persönlichkeit, soziales Lernen, die religiöse Bildung und die politische Bildung. Die Schwerpunktsetzung variiert in den verschiedenen Kurstypen. Gleichzeitig drücken sich alle vier genannten Aspekte in der pädagogischen Haltung der MitarbeiterInnen aus und fließen so in jedes Seminar mit ein.
- "Wer bin ich? " - Persönlichkeitsbildung
Persönlichkeitsbildung in der Jugendakademie will Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem persönlichen Wachstum begleiten und unterstützen. Ziel ist die Befähigung zur Verantwortungsübernahme für die eigene Person, zur Selbstbestimmung und Mündigkeit. - Zusammenleben gestalten - soziales Lernen
Die Jugendakademie bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich selbst und andere in einer Gruppe zu erleben. Sie können lernen, sich miteinander zu verständigen, Konflikte auszutragen und zu kooperieren. Die Erfahrung von Gemeinschaft und Solidarität stärkt das Selbstbewußtsein und fördert die Motivation zu sozialem Denken und Handeln. In dem Wissen um die Einmaligkeit und den Eigenwert jeder einzelnen Person können die Jugendlichen lernen, Differenzen auszuhalten und zu tolerieren. - "Was gibt dem Leben Sinn?" - religiöse Bildung
Religiöse Bildung in der Jugendakademie will die Frage nach Gott, dem Sinn des Lebens und der Verantwortung für sich und den Nächsten lebendig halten. In der zunehmenden Vielfalt esoterischer und religiöser Angebote will die Jugendakademie Orientierung bieten und Jugendliche zur Auseinandersetzung mit christlichen Positionen wie auch zum interreligiösen Dialog anregen. Hierdurch ermöglicht die Jugendakademie neue Kirchenerfahrungen - Analysen, Träume, Handlungsmöglichkeiten - politische
Bildung
Politische Bildung in der Jugendakademie will Jugendlichen vermitteln, daß sie in kulturelle, gesellschaftliche und politische Bezüge eingebunden sind. Sie sollen erleben, wo und wie Gesellschaft und Politik auf ihr Leben Einfluß nehmen. Sie können ausprobieren, wie sie ihr Lebensumfeld mitgestalten und ihre Interessen vertreten können und haben die Möglichkeit, sich mit ihren Rechten und mit ihrer Verantwortung als BürgerIn auseinanderzusetzen. Das Streben nach gerechten Formen des Zusammenlebens in zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und internationalen Beziehungen ist ein religiöses, politisches und pädagogisches Anliegen der Jugendakademie.
Lebendiges Lernen - Didaktische Prinzipien
Die Ziele der Bildungsarbeit müssen in den Seminaren konkretisiert und umgesetzt werden. Sie finden ihren Ausdruck in den Seminarinhalten, aber auch in der Art und Weise, wie in der Jugendakademie gelehrt und gelernt wird. Die hier dargestellten didaktischen Prinzipien werden querschnittartig, d.h. in allen Seminartypen berücksichtigt.
- Lebendige Lern- und Arbeitsformen
Einzelarbeit und Gruppengespräch, kreatives Arbeiten mit Farben, Materialien, Medien, Körper- und Theaterarbeit, Rollen- und Planspiele - die Methoden sollen dem ganzheitlichen Lernen mit Körper, Geist und Seele dienen. - Zielgruppenspezifisches Arbeiten
Die Aufbereitung der Themen, die Auswahl der Methoden und die pädagogischen Interventionen im Kursprozeß werden auf die jeweilige Zielgruppe und ihre Bedürfnisse abgestimmt. - Themen- und Prozeßorientierung
Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen wird vom Lebensalltag und dem Erfahrungshintergrund der teilnehmenden Personen her entwickelt. Der Verlauf des Gruppenprozesses wird in die Kursplanung mit einbezogen. Die Gruppe dient als Lernfeld. - Geschlechtsbezogene Bildungsarbeit
Die geschlechtsbezogene Bildungsarbeit beruht auf der Analyse des (hierarchischen) Geschlechterverhältnisses. Die Berücksichtigung der Differenz zwischen Mädchen/Frauen und Jungen/Männern ist ein durchgängiges pädagogisches Arbeitsprinzip. Dieses findet unter anderem in der Auswahl der Themen und Arbeitsformen, in der Zusammensetzung der Gruppen und Teams und in konkreten pädagogischen Interventionen seinen Ausdruck. - Interkulturelles Lernen
In den Seminaren ist das interkulturelle Lernen ein zentrales Anliegen der Jugendakademie. Die Auseinandersetzung mit dem Eigenen und dem Anderen, dem Vertrauten und dem Fremden, mit dem scheinbar Normalen, mit Bewertungen und Abwertungen, mit Ausgrenzungen und Bereicherungen sind nur einige Stichworte zum interkulturellen Lernen in der Jugendakademie. - Personales Angebot, Leitungsstil
Die ReferentInnen der Jugendakademie bringen ihre pädagogische Fachlichkeit und ihre Person in das Seminar ein. Sie verstehen sich als wohlwollendes Gegenüber für die Jugendlichen, stellen Kontakt und Nähe zu ihnen her, wollen sie konfrontieren und ernstnehmen. Im Rahmen der Möglichkeiten werden die Jugendlichen in die inhaltliche und methodische Gestaltung der Woche miteinbezogen.
Lernen auf Zeit -
Möglichkeiten der Kurzzeitpädagogik
Eine Woche in Walberberg - das bedeutet: Leben und Lernen, Arbeit und Freizeit
finden in einem anderen Rhythmus als gewohnt statt. Anders als in der
Schule und der Ausbildung verbringen die Jugendlichen den ganzen Tag in der
Gruppe. Der Alltag mit seinen vielen Einflüssen bleibt eine Woche weitgehend
außen vor. Das schafft neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten
der Auseinandersetzung und des Sich-Kennenlernens. Die spezifische
Dynamik und Möglichkeit der Kurzzeitpädagogik liegt darin, in der
Distanz zum Alltag in intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und unterschiedlichen
Themen zu gehen. Und das nicht nur während der Arbeitseinheiten, sondern
auch abends, in den Pausen, auf den Zimmern oder beim Essen. Die ReferentInnen
des Seminars begleiten die Gruppe in ihren Prozessen und inhaltlichen
Auseinandersetzungen. Dadurch kann die Gruppe anders oder neu erlebt und
neue Verhaltensmuster können erprobt werden.
